Aschwermittwoch

stilvoll glauben

Aschwermittwoch

Viele meiner Lieblings-Tippfehler korrigiert mein Schreibprogramm mittlerweile von allein. Aus sit wird automatisch ist, aus Kriche wird Kirche, aus chrsitlich wird christlich und so weiter. Den Aschwermittwoch habe ich meinem Programm aber noch nicht beigebracht. Dabei ist er tatsächlich ein zuverlässiger Begleiter in meiner Schreib-Laufbahn. Aber er kommt halt nur einmal im Jahr vor. Und ist evangelischerseits ja (meistens) nicht einmal mit einem Gottesdienst behaftet, da braucht's keine Autokorrektur, für die paar Mal. Nun ja, in der Gemeinde, in der ich bis letztes Jahr Pfarrer sein durfte, gibt es abends einen „Musikalischen Ascherwmittwoch“ (jetzt hab ich ich mich echt angestregt, das Ergebnis bleibt so stehen), bei dem die „Kichen-Band“ Living Colors mittlerweile immerhin ihren 20. (21.?) Geburtstag feiert.

Aschwermittwoch – das ist gefühlsmäßig verbunden mit der Buße. Mit Asche. Mit traurigen Gesichtern. Bei manchen vielleicht auch mit Aufatmen: Endlich ist der Faschingstrubel vorbei, endlich geht das „normale“ Leben wieder weiter. Kein Pferd steht mehr auf dem Flur, keine Karawane zieht von Kaschemm zu Kaschemm, und auch das Fliegerlied hört man nicht mehr so oft wie in den letzten Tagen.

Aufatmen, sich auf das „normale“ Leben konzentrieren. Und das ernsthaft. Ich meine: Mit Ernst. Das „normale“ Leben zu einer Feier werden lassen. Zu etwas Schönem. Hier auf evangelisch.de ist genug zu lesen von der Fastenaktion der EKD „7 Wochen ohne“. Da geht es diesmal nicht um sauren Verzicht, sondern um ein „Mehr“. Um Nähe. Um Kontakte. Darum, das eigene Leben zu gestalten. Darum, Kontakte neu zu knüpfen. „Näher! 7 Wochen ohne Scheu“. Keine aufgesetzte, oberflächliche Nähe mit Bussi links und rechts, sondern wirkliche, menschliche Nähe. Sich dem anderen aussetzen. Nahe sein. Sich in Musik oder Gesprächen näher kommen. Und auch gemeinsam feiern.

Ich verzichte dieses Jahr auf nichts. Aber vielleicht schaffe ich es, mehr zu gewinnen. Aschwernmittwoch: Aufatmen. Nicht einfach das Leben so weiterleben wie bisher. Mehr gestalten. Mehr er-leben. Nicht traurig, sondern zuversichtlich und befreit. Mal sehen, ob das gelingt.

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