stilvoll glauben
23.01.2015 - 14:20 Heiko Kuschel

Zum Essen in die Kirche

In der ehrwürdigen Schweinfurter St. Johanniskirche, dem ältesten Gebäude der Stadt, riecht es heute lecker nach Fisch. Es geht zu wie in einer Bahnhofshalle. Überall fröhliche Gesichter. Menschen, die miteinander plaudern. Die Kirchenbänke voll mit Menschen, die darauf warten, ebenfalls dranzukommen. Denn weiter vorne sind Tische aufgebaut. Schön geschmückt mit Blumen und Kerzen. Und dort gibt es – Essen. In der Kirche. Mit Bedienung am Platz. Eine Vorspeise, eine vollwertige Mahlzeit und hinterher noch Kaffee und Kuchen. Alle sollen sich das leisten können, darum kostet ein Essen in dieser Vesperkirche, wie sich die Aktion nennt, gerade mal 1,50 Euro, für Kinder 50 Cent.

Nein, die Vesperkirche ist keine Armenspeisung für die Obdachlosen und die Ärmsten der Armen. Das ist sie unter anderem auch, ganz eindeutig. Aber sie ist viel mehr als das: Ein Ort, an dem sich Menschen begegnen, die sonst nie zusammenkommen würden. Denn hier sind die unterschiedlichsten Gruppen vertreten. Menschen, die auf das günstige Essen angewiesen sind, genau so wie solche, die gerne auch etwas mehr bezahlen. Sie essen gemeinsam. Kommen ins Gespräch. Können sich auch ganz auf die Tischgemeinschaft konzentrieren, denn ihr Essen wird von freundlichen, ja fröhlichen Helferinnen und Helfern serviert. 180 Ehrenamtliche haben sich schulen lassen, haben zum Teil Urlaub genommen, um bei diesem Projekt dabei sein zu können. Arbeiten an ihren Einsatztagen oft bis zur Erschöpfung, damit dieses große Projekt gelingt.

Am Rand der Vesperkirche gibt es Informationen, Beratungsangebote, einen kostenlosen Friseur, eine Optikerin. Dinge, die weiterhelfen, wenn das Geld knapp ist.

Mit 200 Portionen pro Tag hatte das Vorbereitungsteam im Vorfeld kalkuliert. Wie gut, dass die Großküche des Schweinfurter Leopoldina-Krankenhauses und weitere Großküchen relativ problemlos nachliefern können: Derzeit gehen die Zahlen eher in Richtung 500 Essen pro Tag, mehr ist in diesem Kirchenraum kaum zu schaffen.

Drei Wochen lang ist diese erste Vesperkirche in Bayern geöffnet. Es ist Kirche, wie ich sie mir immer erträume: Ein Ort der Begegnung, ohne Unterschiede zu machen zwischen Arm und Reich oder was auch immer. Ein Ort, an dem Menschen fröhlich zusammensitzen. Ins Gespräch kommen. Gemeinschaft erleben.

In Baden-Württemberg ist das schon ein alter Hut: Die älteste Vesperkirche überhaupt feiert in Stuttgart schon ihr 20jähriges Jubiläum. Dort werden sieben Wochen lang (!) täglich im Schnitt 850 Mahlzeiten (!) ausgegeben. Bisher hatte ich davon noch nichts gehört, aber ich muss sagen: Hut ab. Manchmal bin ich wirklich froh, zu dieser Kirche zu gehören, die so oft kritisiert wird für ihre angebliche oder tatsächlich erlebte Überheblichkeit, Borniertheit und Weltfremdheit. Die Kirche, wie ich sie erlebe und an der ich arbeite, ist täglich anders. Offen. Weltzugewandt. Fröhlich. Hilfreich. Bitte mehr davon. Danke!

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