stilvoll glauben
11.04.2014 - 18:58 Heiko Kuschel

Top-News: Ein Pfarrer singt Halleluja!

Dieser Tage macht ein Video im Internet die Runde: Ein irischer Priester singt zum Abschluss einer Hochzeit das Lied „Halleluja“ von Leonard Cohen. Den Text hat er ein wenig verändert.

Ein Pfarrer tut das, was gewissermaßen zu seinem Job gehört: Er singt Halleluja. Der von mir sehr geschätzte Ulrich Kasparick brachte es auf Facebook auf den Punkt:

Was ist das Besondere an dieser Aufnahme? Warum wird es geteilt und geteilt, sogar von vielen Kirchenkritikern auf Twitter?

Ja, es ist irgendwie auch wirklich schön: Wie cool er da steht und einfach nur singt. Die Aufnahmequalität ist, nun ja, leicht unterirdisch, um es mal freundlich auszudrücken. Aber schon für diesen kleinen Grinser ungefähr in der Mitte lohnt es sich, dieses Video anzusehen.

Freundlich, zu Herzen gehend, den Menschen zugewandt: Offensichtlich gibt es eine große Sehnsucht danach, dass Pfarrer(innen) – und überhaupt Christinnen und Christen – so sind.

Ich gönne dem Kollegen diesen Erfolg mit diesem kleinen Video voll und ganz. Ich finde es schön, dass Menschen so begeistert sind, dass sie das auf Youtube stellen und es weiter teilen. Dass er schon ein kleiner Youtube-Star geworden ist in den wenigen Tagen, seit das Video aufgenommen wurde: Knapp 10 Millionen Zugriffe in vier Tagen!

Ich frage mich aber: Ist er denn wirklich so etwas Besonderes? Gibt es nicht Hunderte, ja Tausende von Geistlichen aller Konfessionen, die genau das sind: Freundlich, zu Herzen gehend, den Menschen zugewandt? Und auch solche, die fantastisch singen. Solo, in Chören, in Bands. Ich bin absolut nicht neidisch, nicht dass das so rüberkommt, aber ich habe mit „meiner“ Band auch schon das „Halleluja“ gesungen. Wunderschön. Hat bloß keiner auf Youtube gestellt, ich auch nicht, wollte keinen Ärger mit der GEMA bekommen.

Klar, es gibt auch unter Pfarrerinnen und Pfarrern die anderen. Die, die Dienst nach Vorschrift machen. Die, die unter der Last ihrer Arbeit leiden und einfach nicht mehr können. Die, die sich wirklich bemühen, aber irgendwie doch nicht so richtig einen Zugang zu den Menschen bekommen. Ja, die gibt es, genauer gesagt: Es gibt nur solche (wenn auch sicher unterschiedlich ausgeprägt), denn auch Pfarrerinnen und Pfarrer sind Menschen, haben und machen Fehler, sind nicht perfekt. Prägen unsere Fehler das allgemeine Bild von Kirche so sehr, dass schon ein technisch schlechtes Video von einem toll singenden Pfarrer ein Youtube-Hit werden kann? Ist „unser“ Ruf durch die Fehler der letzten Jahrhunderte so sehr ruiniert, dass sowieso schon alles zu spät ist?

Was müssten wir tun? Unsere Bescheidenheit ablegen, viel mehr in die Öffentlichkeit gehen, Youtube-Kanäle eröffnen, „mit unseren Pfunden wuchern“? Tun wir das nicht schon längst?

Wie gesagt – ich freue mich über den Erfolg dieses Videos, aber es macht mich auch ein wenig ratlos. Für Kommentare bin ich dankbar.

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